Ackerfuchsschwanz, Weidelgras und Windhalm sind sicherlich die prominentesten Ungräser und stehen, auch auf Grund Ihrer Verbreitung, oft im Fokus der Resistenzproblematik. Dazu kommen in einigen Regionen noch verschiedene Trespen-Arten oder weitere Gräser.

Jedes Jahr kann man zudem mehr Befall in den Flächen beobachten oder neue Flächen kommen mit Erstbefall dazu. Oft liegt dann der Verdacht nahe, dass es sich um resistente Gräser handeln könnte. Nicht vergessen sollte man aber, dass auch weitere Faktoren, wie die Aufwandmenge, der Applikationszeitpunkt und die Mittelwahl eine Rolle spielen. Diese klammern wir fürs Erste aus und schauen mal auf die Resistenzsituation bei den oben genannten Gräsern.

Die Herbizide

Hier spielen zwei Gruppen die Hauptrolle, die ACCase- und die ALS-Inhibitoren. Die ACCase-Inhibitoren, Wirkstoffgruppe 1 (oder ehemals A), wirken dabei ausschließlich gegen Gräser, während die ALS-Inhibitoren, Wirkstoffgruppe 2 (oder ehemals B) auch eine dikotyle Wirkung haben. In unseren Tests unterscheiden wir die ACCase-Inhibitoren nochmals in die Getreideselektiven Produkte (z.B. Axial 50), die nicht-getreideselektiven FOPs (z.B. Agil-S), und die DIMs (z.B. Select 240 EC).

Abb.1 Zusammenfassung aller Biotests der ACCase-Wirkstoffe von 2019-2023.

Die ACCase-Inhibitoren

Wie in Abbildung 1 erkennbar ist, sieht man besonders bei Ackerfuchsschwanz häufig eine schlechte Wirkung bei Axial 50. Viele der Proben werden also nicht mehr ausreichend kontrolliert. Mit Abstrichen trifft das auch auf das Welsche Weidelgras zu, wobei in der Hälfte der Proben noch eine gute Wirkung erzielt wird. Besonders beim Windhalm ist die Wirkung aber noch durchweg sehr gut.

Etwas besser ist die Wirkung bei Agil-S (Propaquizafop), obwohl gerade beim Ackerfuchsschwanz hier auch viele Proben nicht mehr ausreichend kontrolliert werden. Beim Weidelgras ist die Wirkung dagegen häufig schlechter als bei Axial 50 (Pinoxaden). Probleme bei Trespen oder Windhalm werden nur in Ausnahmefällen beobachtet.

Durchweg gute Wirkung zeigt sich bei Select 240 EC (Clethodim). Alle vier Gräser werden noch ausreichend kontrolliert. Allerdings gibt es bei allen Gräsern auch vereinzelt Fälle, bei denen das nicht mehr so ist und die verbleibende Wirkung nicht mehr ausreicht.

Abb.2 Zusammenfassung aller Biotests der ALS-Wirkstoffe von 2019-2023. Getreide-ALS* bei Ackerfuchsschwanz und Weidelgras wird sich hier auf Atlantis Flex, bei Windhalm auf Husar und bei Trespen auf Attribut bezogen.

Die ALS-Inhibitoren

Untersucht wurde Maister Power (Foramsulfuron) bei allen vier Ungräsern und Broadway (Pyroxsulam) bei allen außer den Trespen. Zusätzlich wurden Atlantis Flex (Mesosulfuron + Iodosulfuron) bei Ackerfuchsschwanz und Weidelgras, Husar (Iodosulfuron) bei Windhalm und Attribut (Propoxycarbazone) bei Trespen getestet und in der Mitte der Abbildung bei den Getreide-ALS zusammengefasst.

Es zeigt sich, dass das nicht im Getreide selektive Maister Power (Foramsulfuron) hier eine bessere Wirkung zeigt, als die selektiven Herbizide. Zwar sieht man besonders bei Ackerfuchsschwanz auch hier eine nachlassende Wirkung in einzelnen Proben, aber häufig wird noch eine gute Wirkung erzielt.

Anders bei Broadway (Pyroxsulam) und den anderen Getreideselektiven Wirkstoffen. Besonders bei Ackerfuchsschwanz und Weidelgras fallen diese Wirkstoffe in der Wirkung deutlich ab. Auch Husar (Iodosulfuron) beim Windhalm zeigt keine gute Wirkung mehr. Generell sind die Sulfonylharnstoffe bei Ackerfuchsschwanz und Weidelgras weniger von Resistenzen betroffen als Broadway (Pyroxsulam). Bei Windhalm ist es jedoch genau umgekehrt. Während bei Trespen Resistenzen im ALS-Bereich generell seltener sind.

Aufgrund der fortgeschrittenen Problematik bei den Gräsern rücken andere Wirkstoffe in den Fokus. Insbesondere die Bodenherbizide, auf die wir in einem separaten Artikel eingehen werden.

2 Kommentare

  1. “Generell sind die Sulfonylharnstoffe bei Ackerfuchsschwanz und Weidelgras weniger von Resistenzen betroffen als Broadway (Pyroxsulam). Bei Windhalm ist es jedoch genau umgekehrt.”

    Ich denke, dieser Satz ist verdreht.

    Mit freundlichen Grüßen

    • Sehr geehrter Herr Dr. Hentsch,
      unsere Ergebnisse zeigen, dass Ackerfuchsschwanz und Weidelgras häufiger Resistenzen gegenüber Pyroxsulam zeigen als gegen Sulfonylharnstoffe. Bei Windhalm haben wir wiederum mehr Fälle mit Resistenzen gegen Sulfonylharnstoffe als gegenüber Pyroxsulam.

      Das sieht man auch in Abbildung 2 in diesem Blogbeitrag.

      Mit freundlichen Grüßen
      Nele Bollmann

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