Im Rahmen unseres Monitorings beobachten wir seit 2019 die Entwicklung von sensitiven und resistenten Ungräsern auf Flächen in ganz Deutschland. Der Großteil der Resistenzen findet sich dabei in Ackerfuchsschwanz, Weidelgras, Windhalm und Trespenarten. Bisher wurde allerdings jedes Ungras für sich betrachtet. Inzwischen können wir aus unseren Datenerhebungen jedoch herauslesen, dass bei 21% der Flächen mit resistentem Ackerfuchsschwanz noch ein weiteres resistentes Gras Probleme bereitet. Bei 5% der Ackerfuchsschwanzfelder treten sogar zwei oder mehr andere Gräser zur Ernte auf.

In unserem heutigen Beitrag wollen wir Ihnen verschiedene Beispielfelder aus Nordthüringen zur Problematik der Mehrfachresistenzen vorstellen:

Ackerfuchsschwanz & Trespe in Getreide-Fruchtfolge

Beginnen wir mit einem Feld mit der viergliedrige Fruchtfolge: Weizen-Weizen-Gerste-Raps. Größtenteils wird das Feld pfluglos bewirtschaftet, lediglich zur Gerste kam der Pflug zum Einsatz. In etwa 75% der Herbizidmaßnahmen wird Flufenacet und in etwa 50% der Fälle Atlantis (im Weizen) eingesetzt.

Bei unseren Resistenztests in 2020 zeigte sich eine breite Resistenz bei Ackerfuchsschwanz gegen ALS- und ACCase-Hemmer. Dazu kommt eine ALS-resistente Taube Trespe, die zwar in kleinerem Maßstab im Feld vorzufinden ist, aber dennoch ein zukünftiges Problem darstellen wird. Bei erneuten Tests in 2021 wurden die Ergebnisse erneut bestätigt. Die ALS-Resistenz ist in der Trespe ein besonderes Problem, da andere Wirkmechanismen im Getreide nicht zur Verfügung stehen und Vorauflauf-Produkte wie Herold oder Cadou weniger gut wirken. Selbst gegen Maisprodukte wie Maister Power sind beide Ungräser resistent. Und das obwohl die Fruchtfolge des Betriebes keinen Mais enthält. Die Ursache dafür liegt in den Resistenzmechanismen und wie diese heraus selektiert werden. Darauf gehen wir in einem anderen Beitrag in Zukunft genauer ein.

Trespe ist nicht gleich Trespe

Ein weiteres Feld, in dem Ackerfuchsschwanz und Trespe nicht erfolgreich bekämpft wurden ist das folgende. Hierbei kommt zu einem starken Befall mit Ackerfuchsschwanz und Roggentrespe noch ein geringer Befall an Tauber Trespe hinzu. Während Ackerfuchsschwanz hier Minderwirkungen bei Axial zeigt und beide, Ackerfuchsschwanz und Taube Trespe, Minderwirkungen bei ALS-Hemmernzeigen, war die Roggentrespe trotz starker Verbreitung im Feld komplett sensitiv.  Besonders die ALS-Resistenz stellt hier das Problem dar, da nur dieser Wirkmechanismus beide Ungräser gleichermaßen kontrolliert. Intensivere (wendende) Bodenbearbeitung sollte es der Trespe in Zukunft schwieriger machen, eine Kontrolle dieser Art im Nachauflauf im Getreide ist aber mit den vorhandenen Resistenzen nicht mehr möglich und kann bei zunehmendem Befall zu Problemen führen. Im Zusammenspiel mit Ackerfuchsschwanz sollte  die Fruchtfolge um Sommerungen erweitert werden, um den Befall zu reduzieren.

Ackerfuchsschwanz & Welsches Weidelgras

Bei unserem letzten Fall zeigt sich eine andere Resistenzsituation. Auf dem Beispielschlag besteht ein hoher Befall an Ackerfuchsschwanz kombiniert mit einem geringen Befall an Welschem Weidelgras. Das Feld wurde sowohl im Vorauflauf als auch im Nachauflauf in Herbst und Frühjahr mit ALS-Hemmern behandelt. Beide Ungräser zeigen ein charakteristisches Resistenzmuster: Sensitivität gegenüber ACCase-Hemmern, aber eine Resistenz gegen ALS-Hemmer. Dies zeigt, dass ein gleicher Selektionsdruck über mehrere Jahre auch zur Selektion der gleichen Resistenzen führt. 

Anklicken zum Vergrößern.

Für den Betrieb bedeutet es aber, dass nur noch ein Wirkmechanismus (ACCase) im Nachauflauf zur Verfügung steht. Hier gilt es umso mehr, über Fruchtfolge und Bodenbearbeitung den Befall beider Arten weiter zu reduzieren. Allerdings kann Weidelgras das ganze Jahr über keimen und somit, wie auch Ackerfuchsschwanz, in allen Kulturen zu einem massiven Befall führen.

Fazit

In Zukunft werden wir mehr Fälle bekommen bei denen wir uns auf mehrere schwer zu bekämpfende/resistente Ungräser einstellen müssen.  Gerade bei größeren Feldern ist dies der Fall. Aufgrund der unterschiedlichen Biologie werden die Resistenzen aber nie zeitgleich erscheinen, sondern zeitlich versetzt.  Dies wird zur Folge haben, dass chemische Lösungen hier allein nicht mehr ausreichen und der pflanzenbauliche Anteil des Integrierten Pflanzenschutzes wieder zunehmend in den Fokus geraten muss.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Beitragskommentare