In diesen Tagen geht unser bundesweites Monitoring in die nächste Runde. Wie auch in den vergangenen Jahren werden wir in den kommenden 6-8 Wochen deutschlandweit rund 1.300 Felder ablaufen, um zu erfassen, welche Unkräuter und Ungräser kurz vor der Ernte in ihren Wintergetreide-, Mais- und Zuckerrübenflächen vorhanden sind. Im Gewächshaus werden wir später untersuchen, ob sich hinter dem Befall möglicherweise eine Resistenz verbirgt.

Kopf- und Fußarbeit

Die von den Landwirten ins Monitoring eingebrachten Felder sucht unser Team anhand von GPS-Daten selbsttätig auf. Sobald die vorhandene Kultur notiert ist, wird das jeweilige Feld möglichst repräsentativ abgelaufen. Je nach Feldgröße werden mindestens die Vorgewende und ein bis zwei Fahrspuren kontrolliert. Dabei wird dokumentiert, welche Unkräuter und Ungräser in welchem Umfang vorhanden sind. Zudem werden rund 100 Ähren von verschiedenen Pflanzen in kleinen Papiertüten gesammelt, um so für die anschließende Resistenzuntersuchung von jedem relevanten Ungras bzw. Unkraut etwa eine Kaffeetasse voller Samen zu erhalten. Je nach Lage der Felder sind wir bei den Feldbegehungen zwischen 15 und 25 Kilometer am Tag zu Fuß unterwegs.

Viele Daten, eine App

Sämtliche Daten, die für das Monitoring relevant sind, werden in unserer eigens entwickelten Agris42-App gespeichert Im Vorfeld sind das zum Beispiel die Standorte der zu untersuchenden Felder und wichtige Daten aus der Ackerschlagkartei (wie Fruchtfolge, Bodenbearbeitung, Herbizideinsatz); auf dem Feld dann die angetroffenen Unkräuter und Ungräser mit der jeweiligen Befallsstärke (und eventuell Fotos) sowie die Nummern der Tüten, in denen die Samen gesammelt werden. Diese vergibt die App übrigens automatisch. Dadurch ist eine lückenlose Rückverfolgbarkeit der Proben vom Feld bis zu den Testergebnissen möglich.

Landwirte haben Unkraut gut im Griff

Bisher liegen uns mehrjährige Daten von rund 2.200 Feldern vor. Dabei hat sich gezeigt, dass die Landwirte die unerwünschten Pflanzen auf ihren Äckern bisher recht gut im Griff haben. Als das größte Problem stellt sich bundesweit regelmäßig der Ackerfuchsschwanz dar. Im vergangenen Jahr haben wir ihn auf 75 Prozent der begutachteten Felder angetroffen. Jenseits dieses Leitunkrauts waren 85 Prozent der Felder noch frei von weiteren Ungräsern und Unkräutern. Auch in diesem Jahr gehen wir davon aus, dass sich in den Regionen, in denen eine Herbstbehandlung stattgefunden hat, weniger Ungräser zeigen als dort, wo eine solche Behandlung nicht durchgeführt wurde.

Worauf wir 2024 besonders achten

Unser Bestands- und Resistenzmonitoring passen wir stets an die aktuellen Gegebenheiten an. Einen Schwerpunkt wird in diesem Jahr daher Weidelgras bilden. Dieses ist auf den Äckern zwar noch nicht so weit verbreitet wie der Ackerfuchsschwanz, zeigt aber eine schnellere Resistenzbildung. Zudem werden wir in diesem Jahr verstärkt dikotyle Unkräuter wie den Hundskerbel und die Kamille in den Blick nehmen, denn hier haben sich regional in Deutschland bereits Cluster gebildet, die Landwirten zunehmend Sorge bereiten.

Zudem werden wir unser Augenmerk auf die sogenannte Conviso-Rübe richten, die mittlerweile von vielen Landwirten angebaut wird. Die konventionell gezüchtete Zuckerrübe ist resistent gegenüber dem Breitbandherbizid Conviso aus der Gruppe der ALS-Hemmer. Auf sehr stark verunkrauteten Flächen ist das Conviso-System hilfreich und kann den Rübenanbau absichern. In der Praxis stellt sich aber die Frage, ob es nicht auch das Auftreten resistenter Gräser oder dikotyler Unkräuter stärkt. Auch Durchwuchsrüben, die im Folgejahr auftreten, könnten ein Problem darstellen. Wir sind gespannt, was unser Monitoring ergibt.

Neue Betriebe gesucht

Mit unserem bundesweiten Monitoring wollen wir ermitteln, wie sich die Befalls- bzw. Resistenzsituation im deutschen Ackerbau im Lauf der Zeit entwickelt. Dies wird durch die kontinuierliche Begutachtung der ausgewählten Flächen über mehrere Jahre gewährleistet. Um dabei ein möglichst repräsentatives Bild zu erhalten, haben wir nicht nur Felder mit „Verdachtsfällen“, sondern auch unauffällige Flächen in das Monitoring aufgenommen. Dennoch müssen wir von Zeit zu Zeit Flächen bzw. Betriebe wechseln, um zum einen eine zu starke Verdichtung an einigen Standorten zu vermeiden und andererseits die bisher „weißen Flecken“ auf der Landkarte zu verringern. Betriebe, die Interesse haben, mit ihren Getreide-, Mais oder Rübenflächen am Monitoring teilzunehmen, können sich daher gerne bei uns melden. Wichtig ist dabei, dass sie uns Informationen aus ihrer Ackerschlagkartei – möglichst rückwirkend über einen Zeitraum von sechs Jahren – zur Verfügung stellen. Im Gegenzug dazu erhalten die Betriebe jährliche Resistenzuntersuchungen für gefundene Ungräser auf die wichtigsten Nachauflaufherbizide.

Interesse am persönlichen Resistenzprofil?

Betrieben, die nicht in das Monitoring passen oder aber ihr individuelles Befalls- und Resistenzprofil erfahren möchten, bieten wir auf Anfrage eine Probensammlung auf eigene Kosten an. Für die Probensammlung (ab 5 Feldern) fallen 500 Euro an. Die Preise für die Resistenzanalyse richten sich nach der Anzahl der untersuchten Ungräser und der Anzahl der getesteten Wirkstoffe (siehe Preisliste). Eines steht fest: Für ein optimales Unkraut- und Resistenzmanagement lohnt es sich, möglichst frühzeitig ein Bild über die Befalls- und Resistenzsituation auf dem eigenen Betrieb zu gewinnen.

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