Der Juli ist da, die Mähdrescher sind auf den Feldern – und für unser Agris42 Team beginnt jetzt eine der spannendsten Phasen des Jahres: die Ernte der Unkrautsamen. Im Rahmen unseres eigenen, deutschlandweiten Monitorings sind unsere Experten auf hunderten Feldern unterwegs. Dabei laufen wir durch Bestände, bestimmen Ungräser inklusive Befallsstärken und sichern wertvolles Saatgut für unsere wissenschaftliche Arbeit. Im Fokus sind hier besonders Ungräser wie der Ackerfuchsschwanz, Weidelgras, Windhalm oder Trespen.

Warum wir diesen enormen Aufwand betreiben? Ganz einfach: Weil wir Resistenzen verstehen und bekämpfen wollen, bevor sie den Ertrag im großen Stil vernichten. Dies ist auch der Grund warum viele Landwirte und Berater uns jährlich Proben für Resistenzuntersuchungen zusenden. 

Und genau hier kommen Sie ins Spiel. Denn ab Ende Juni ist auch für Sie der perfekte Zeitpunkt, um auf Ihren Flächen aktiv zu werden. Erfahren Sie hier, warum wir Proben nehmen, was Ihnen ein solcher Test bringt und wie die perfekte Probenahme auf Ihrem Betrieb abläuft.

Warum sammeln wir überhaupt? Und was bringt Ihnen der Test?

Wenn Herbizide im Frühjahr nicht sauber gewirkt haben, stehen Landwirte oft vor einem Rätsel: War es die Witterung? Ein Anwendungsfehler? Oder entwickelt sich schleichend eine Herbizidresistenz?

Unser Monitoring zeigt seit Jahren, dass Resistenzen in Deutschland massiv zunehmen. Ein kommerzieller Resistenztest schafft hier Fakten statt Bauchgefühl:

Die Praxis: Worauf müssen Sie bei der Probenahme achten?

Damit wir im Gewächshaus ein verlässliches Ergebnis für Sie ermitteln können, muss das Ausgangsmaterial stimmen. Ein präziser Test beginnt bei einer sauberen Probenahme. Achten Sie auf folgende Punkte:

1. Der Reifegrad: Geduld ist alles

Wenn die ersten Samen an der Ährenspitze ausfallen, ist der richtige Zeitpunkt erreicht.

Sammeln Sie die Samen erst, wenn sie vollkommen reif sind (meist kurz vor oder direkt zur Ernte der Hauptkultur zwischen Ende Juni bis Ende Juli).

Den Reifegrad testen

Ziehen Sie mit zwei Fingern von unten nach oben an der Ähre oder dem Samenstand des Unkrauts. Lösen sich die Samen leicht und fallen Ihnen fast von selbst in die Hand? Dann ist der Reifegrad optimal. Unreife Samen keimen im Gewächshaus nicht!

2. Die Menge: Eine Kaffeetasse. Filterkaffee, kein Espresso.

Für ein vollständiges Testverfahren, bei dem wir die Pflanzen später mit verschiedenen Herbiziden besprühen, benötigen wir ausreichend Material.

Als Faustregel gilt: Sammeln Sie pro zu testendem Feld mindestens eine gut gefüllte Kaffeetasse (ca. 200 ml) reiner Samen.

3. Die Strategie: Wo wird gesammelt?

Gehen Sie gezielt in die Bereiche oder “Nester”, in denen das Unkraut trotz Herbizidbehandlung überlebt hat.

Ganz wichtig: Die Verpackung (Plastik ist tabu!)

Frisch geerntete Samen enthalten immer eine gewisse Restfeuchtigkeit. Werden sie in Plastiktüten verpackt, fangen sie innerhalb kürzester Zeit an zu schimmeln – das zerstört die Keimfähigkeit und macht die Probe unbrauchbar.

Eine leserliche Handschrift hilft uns enorm!

Wie geht die Reise weiter?

Sobald Ihre Papiertüten bei uns im Labor eintreffen, werden sie registriert, gereinigt und für die anstehende Keimruhe vorbereitet. Denn genau wie in der Natur benötigen die Samen erst eine kurze „Schlafphase“ (Dormanz), bevor wir sie im Gewächshaus zum Leben erwecken können.

Im nächsten Teil unserer Blog-Reihe nehmen wir Sie mit hinter die Kulissen unseres Gewächshauses: Wir zeigen Ihnen den Saisonstart und wie wir Ihre Feldsamen für die Aussaat vorbereiten!

Haben Sie diesen Sommer auffällige Unkrautnester auf Ihren Flächen? Sichern Sie sich rechtzeitig Gewissheit für Ihre Herbizidstrategie im kommenden Herbst!

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