Normalerweise wird die Unkrautbekämpfung durch ein Leitunkraut- oder -ungras geprägt. Dies war bisher oft entweder Ackerfuchsschwanz oder Windhalm. Bei den Untersuchungen in den letzten fünf Jahren konnte aber auch festgestellt werden, dass bei ca. 30% der Flächen, die mit Ackerfuchsschwanzproblemen zu kämpfen hatten, mindestens ein weiteres Ungras nach Abschluss der Behandlungen gefunden wurde. Diese Pflanzen haben ebenfalls alle Bekämpfungsmaßnahmen überlebt, die hauptsächlich mit Herbiziden durchgeführt wurden.

Unsere Untersuchungen zeigen, dass die am häufigsten auftretende Kombination eine gemischte Verungrasung von Ackerfuchsschwanz und Trespe war. Da in diesen Fällen die Trespen nur vereinzelt auftraten und Trespen in der Regel nicht von Resistenzen betroffen sind, stellt das aber in der Praxis kein großes Problem dar (siehe Resistenzsituation in Deutschland). Auch die Mischverungrasung aus Ackerfuchsschwanz und Windhalm wurde in ca. 10% der Fälle beobachtet. Auf weiteren 10% der untersuchten Flächen war allerdings eine Kombination von Ackerfuchsschwanz und Weidelgras beobachtet worden. Mit der Zunahme der Weidelgrasproblematik in Deutschland und dem vergleichbaren Resistenzniveau beider Arten wird sich hiermit also ein ernstzunehmendes Problem für die Betriebe aufbauen. Weitere Verungrasungskombinationen und deren Häufigkeit sind in Abb.1 dargestellt.

Abb. 1 Häufigkeit der verschiedenen Ungraszusammensetzungen.

Mit den bis jetzt erhobenen Daten können keine genauen Aussagen über die tatsächliche Situation auf allen Anbauflächen gemacht werden. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die bis jetzt von uns ermittelten Ergebnisse die tatsächliche Situation, besonders in Ackerfuchsschwanz-Problemregionen, gut wiedergeben. Betriebe werden sich demzufolge auf mehrere Problem-Arten auf derselben Fläche einstellen müssen. 

Aufgrund der Datenlage wird das Resistenzmanagement in den folgenden Jahren durch den Befall mit mehreren Problemgräsern noch komplizierter. Die Kenntnis der Resistenzsituation wird dadurch immer wichtiger, da auf einigen Feldern heute schon Resistenzen bei mehreren Arten auftreten. Auch diese Problematik werden wir also weiter im Blick behalten.

Multipler Gräserbefall – welche Erklärungen gibt es?

Bisher dominierte bei den Gräsern oft nur eine Art, meistens Windhalm oder der Ackerfuchsschwanz. Regional werden aber Trespen, Weidelgras, eventuell auch  Flughafer und die einjährige Rispe immer wichtiger. 

 In den letzten fünf Jahren wurden jährlich ca. 1300 Felder von uns untersucht und es konnten folgende Schlüsse aus den erhobenen Daten gezogen werden.

  1. Herbizide: Bei genaueren Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass der Mischbefall von Ackerfuchsschwanz und Windhalm weiter verbreitet ist, als vorher angenommen. Bekämpfungsmaßnahmen im Herbst sind meist gezielt gegen Ackerfuchsschwanz mit Aufwandmengen von bspw. Flufenacet möglich, die eine sehr sichere Wirkung gegen Windhalm ermöglichen. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass auf diesen Flächen in den Beobachtungsjahren keine Herbstbehandlung erfolgt ist.
  2. Einschleppung: Ein bewusst ausgesätes oder eingeschlepptes Weidelgras
    sollte im Befall, auch auf Flächen, auf denen heute Ackerfuchsschwanz dominiert, zunehmen. Hintergrund ist, dass Fruchtfolgeanpassungen, wie Sommerungen, nur einen geringen Effekt auf das ganzjährig keimende Weidelgras haben. Sommerungen ermöglichen jedoch ein größeres Bodenbearbeitungsfenster, was die Weidelgrasbekämpfung über die Fruchtfolge verbessert.
  3. Heterogene Flächen: Ein weiteres Problem kann bei größeren Feldern auftreten. Es können durch unterschiedliche Bodenverhältnisse verschiedene Nester/Zonen entstehen. In manchen Bereichen dominiert der Ackerfuchsschwanz, in anderen bspw. der Windhalm. Außerdem entstehen Mischzonen, in denen beide Arten konkurrieren. Unterschiedliche Bodenfeuchte und eine qualitativ unterschiedliche Bodenbearbeitung unterstützen dieses Phänomen.

Fazit:

Es ist also davon auszugehen, dass in Zukunft mehrere Arten pro Feld bei der Planung der Bekämpfungsmaßnahmen berücksichtigt werden müssen. In einem weiteren Artikel werden wir uns am Beispiel der Kombination Weidelgras-Ackerfuchsschwanz anschauen, wie komplex das Resistenzgeschehen die Bekämpfung macht und was das für die Praxis bedeutet.

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