In der landwirtschaftlichen Praxis wird es zunehmend schwer, Unkräuter und vor allem Ungräser zu bekämpfen. Grund dafür sind häufig Resistenzen gegenüber Herbiziden. Diese stellen mittlerweile eine ernsthafte Gefahr für den Ackerbau dar. Verbreiten sich resistente Ungräser und Unkräuter im Bestand, ist der Ertrag und am Ende sogar die Anbauwürdigkeit einer Feldkultur gefährdet.

Im Rahmen des Monitorings untersuchte Landkreise

Um den Landwirten einen Überblick über die Befalls- und Resistenzsituation im deutschen Ackerbau zu geben, untersucht das Agris42-Monitoring seit 2019 bundesweit Wintergetreide-, Zuckerrüben-, Mais- und Rapsflächen. Jährlich werden hierfür kurz vor der Ernte rund 1.300 Felder – stellvertretend für 12.000 Hektar – von mehr als 300 Landwirten begutachtet. Dabei wird ermittelt, welche Ungräser und Unkräuter vorhanden sind und wie hoch der Befall ist. Im Anschluss werden die auf dem Feld gesammelten Unkrautsamen im Gewächshaus angezogen und die Pflanzen mit verschiedenen Herbiziden behandelt, um so den jeweiligen Resistenzstatus zu ermitteln.

Nicht nur auf Ackerfuchsschwanz und Weidelgras fokussieren

Ackerfuchsschwanz und Weidelgras sind auf zahlreichen Betrieben präsent und werden aufgrund der mit ihnen verbundenen Resistenzproblematik von den Landwirten meist genau beobachtet. Doch neben diesen Leitunkräutern finden sich zum Zeitpunkt der Getreideernte auch weniger prominente Vertreter der sogenannten Ackerbegleitflora auf den Feldern. Auch sie reagieren bei jeder Herbizidausbringung mit ihrem genetischen Anpassungspotenzial – je nach biologischen Eigenschaften, Witterungsbedingungen und Fruchtfolge. Agris42 richtet sein Befalls- und Resistenzmonitoring daher zusätzlich auf diese seltenen Arten aus, die den Landwirten bislang auf den eigenen Äckern womöglich entgangen sind oder denen sie keine Beachtung geschenkt haben.

Von den „Top Eleven“ bis zu den „Weeds to watch“

Im Rahmen des Monitorings wurden bei den bisher 7.228 Feldbegehungen elf Unkräuter auf mindestens zehn Prozent der Flächen gefunden: Ackerfuchsschwanz (70 % der Flächen), Ackerkratzdistel (29 %), weißer Gänsefuß (24 %), Vogelknöterich (20 %), Ackerwinde und Kamille (je 19 %), Flughafer (16 %), Quecke (12 %), Hühnerhirse, Welsches Weidelgras und Taube Trespe (je 10 %).

Auf rund 8 bzw. 5 Prozent der untersuchten Felder fanden sich Wiesen- und Roggentrespe. Das hat überrascht, da die Wiesentrespe bisher als Ackerunkraut kaum wahrgenommen wurde. Vermutlich wurde sie von den Praktikern meist fälschlicherweise als Roggentrespe identifiziert.

EPPO-Code Deutscher Name Anzahl der Funde Anteil der Flächen
BROST Taube Trespe 707 10 %
BROCU Wiesentrespe 602 8 %
BROSE Roggentrespe 387 5 %
BROMO Weiche Trespe 64 <1 %
BROTE Dachtrespe 33 <1 %
Der Trespen-Komplex

 

Die meisten der weiteren 105 ermittelten Unkrautarten wurden auf einem noch geringeren Flächenanteil gefunden. Das heißt aber nicht, dass ihnen keine Beachtung geschenkt werden sollte. In der unten stehenden Tabelle sind einige Vertreter dieser Gruppe aufgeführt, die Landwirte aus unserer Sicht im Auge behalten sollten. 

So stellt beispielsweise der Hundskerbel ein immer größer werdendes Problem im deutschen Ackerbau dar; er wird im Rahmen eines speziellen Agris42-Projektes beobachtet. Beim Monitoring wurden zudem auch weniger bekannte Vertreter der Gänsefuß- und der Amaranth-Familie ermittelt (siehe Tabelle). Dass sie vor allem auf Zuckerrübenflächen in Süddeutschland gefunden wurden, lässt darauf schließen, dass diese „Nebenarten“ etwas wärmeliebender sind als die bekannten Arten (etwa Weißer Gänsefuß, Rauhaariger Amaranth). Im Feld ist es oft schwierig, die einzelnen Arten voneinander zu unterscheiden, zudem ist eine Bastardisierung nicht auszuschließen. Die Schönmalve wurde auf allen Rübenstandorten und vereinzelt auch in Mais und Soja gefunden.

EPPO-Code Deutscher Name Anzahl der Funde Anteil der Flächen
ANRCA Hundskerbel 208 3 %
CHEPO vielsamiger Gänsefuß 147 2 %
VLPMY Mäuseschwanz 87 1 %
AMABL westamerikanischer
Amarant
82 1 %
ABUTH Schönmalve 74 1 %
“Weeds to watch”

 

Fazit

Bei den bisher 7.228 Feldbegehungen wurden insgesamt 118 Unkrautarten gefunden. Die meisten treten als Einzelpflanze oder nur mit wenigen Exemplaren je Standort auf, während einige auch schon mit hoher Pflanzendichte auf sich aufmerksam machen. Die Vielzahl der gefundenen Arten deutet darauf hin, dass die Biodiversität auf unseren Feldern größer ist als oft vermutet. Vielen Arten gelingt es, sich über die Jahre auf den Flächen (bzw. als Samenvorrat im Boden) zu halten – wenn auch mit wenigen Exemplaren und mit geringerer Stetigkeit als früher. Da die Ermittlung der Arten beim Agris42-Monitoring jeweils kurz vor der Ernte stattfindet, also nach Abschluss aller chemischen und nicht-chemischen Bekämpfungsmaßnahmen, lässt sich nicht ausschließen, dass aus diesen Einzelpflanzen in Zukunft eine Problemverunkrautung entsteht. Schließlich hat auch der Ackerfuchsschwanz einmal klein angefangen.

EPPO-Code

EPPO steht für European and Mediterranean Plant Protection Organisation. Ziel dieser Organisation ist die Kooperation und Harmonisierung im Pflanzenschutz. Hierfür stellt sie unter anderem eine Online-Datenbank zur Verfügung, in der mehr als 95.000 Pflanzen sowie Krankheiten und Schädlinge eingetragen sind – unter anderem mit wissenschaftlichen Namen, Synonymen und Trivialnamen in mehreren Sprachen sowie dem EPPO-Code. Letzterer wurde entwickelt, um die Kommunikation über die einzelnen Schadorganismen in den Kulturpflanzen sprachenübergreifend zu erleichtern. 

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